Basierend auf der historischen Erarbeitung chronologischer Grundlagen zur Orts-, Stadt-, Tal-, Verkehrs-, Bergwerks-, Handels- und Tourismusgeschichte des Tiroler Alpenraums werden in einer ersten Phase des Projekts Untersuchungsräume nach bestimmten historisch-demographischen und geographischen-topographischen Kriterien ausgewählt, nämlich:
• Regionen, die von Kolonialisierung bzw. Binnenwanderung geprägt sind (z. B. aufgrund von Bergbau und Tourismus fand Zu- und Abzug statt),
• Orte, die im Sinne ihrer topographischen Lage, als nach außen abgeschlossene „Siedlungsinseln“ wahrgenommen wurden bzw. werden, sowie
• „Siedlungszentren“, also dichter besiedelte Orte bzw. Städte, die unter anderem aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage an den Haupttransitrouten eine wesentliche Bedeutung im Handels- und Verkehrsaufkommen der Vergangenheit und Gegenwart erfuhren bzw. erfahren.
• Die früh einsetzende schriftliche Überlieferung und deren aktuelle Verfügbarkeit bzw. Zugänglichkeit stellen bei der Auswahl der Spenderorte ebenso maßgebende Kriterien dar: Während die gesammelten Blutspenden der Probanden für das Biologenteam als Basis zur Erstellung der genetischen Analyse anzusehen sind, werden schriftliche Quellen für das Historikerteam zum Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Verknüpfung und Interpretation der Studie.
Der spezifizierten Auswahl der Besammlungsgebiete folgt sodann in einer zweiten Phase – im Zuge der Probensammlung des DNA-Analysematerials – seitens der MitarbeiterInnen des Instituts für Geschichte und Ethnologie (Leopold-Franzens-Universität Innsbruck) die Erarbeitung des regionalen bzw. lokalen historischen Befundes bzw. der Entwicklungsgeschichte der Untersuchungsräume.
Liegen die ersten Ergebnisse der genetischen Analyse intern vor, die z. B. Wanderbewegungen in einer Region deutlich machen, kommt es zur Erhebung und Untersuchung der diesbezüglichen archivarischen Bestände (Matrikenforschung – Tauf-, Sterbe- und Firmbücher, etc.). Abschließend werden die historischen Ergebnisse mit der Auswertung des genetischen Materials verglichen und zuletzt in einen gemeinsamen Kontext gestellt. Dabei gilt es zur Ergänzung der Ergebnisse, auch den archäologischen Forschungsstand zur ur- und frühgeschichtlichen Besiedlung des Tiroler Alpenraums miteinzubeziehen.